Die nachfolgende Tabelle enthält einige grundlegende Informationen über Anilin

Unter Normalbedingungen ist Anilin eine klare Flüssigkeit, die sich an
der Luft durch Autoxidation dunkel verfärbt. Vor dem Verwenden von
Anilin sollte je nach Bedarf vorher destilliert werden. Für von mir
durchgeführte Versuche wurde das Anilin in einer Vakuum-
Destillationsapparatur gereinigt. Die Dampftemperatur am Claisen-
Aufsatz lag je nach verwendeter Pumpe bei:

10hPa = 72,0°C
12hPa = 72,5°C
17hPa = 75,0°C
20hPa = 80,0°C
55hPa = 97,0°C

Dies entspricht auch den Werten der gängigen Literatur. Die Apparatur,
die zum Verbessern des Reinigungseffektes mit einer Kolonne nach Vigreux
versehen wurde, ist in der Abbildung zu sehen.

Anlage zur Vakuum- Destillation von Anilin

Name

Anilin

CAS- Nummer

62-53-3

Trivialnamen

Aminobenzen
Aminobenzene
Aminophen
Anilina
Aniline Oil
Anyvim
Benzenamine
Benzene, amino-
Benzeneamine
Blue Oil
Benzidam
C.I. 76000
Cyanol
Huile D'aniline
Krystallin
Kyanol
NCI-C03736
Phenylamin
Phenylamine
UN 1547

Beschreibung

Ölige, farblose Flüssigkeit, die sich an der Luft infolge Autoxidation bald umberfarben bis braun färbt. Es ist fast unlöslich in Wasser, aber mit Wasserdampf flüchtig. Die Dämpfe wirken giftig und rufen Schwindelgefühle hervor.

Summenformel

C6H7N

Strukturformel

Strukturformel von Anilin

Gruppe

Primäres, rein aromatisches Amin

Molekulargewicht

93,13 g/mol

Dichte

1,023 g/cm3 (20°C)

Schmelzpunkt

-6°C

Flammpunkt

76°C

Siedepunkt

184°C

Nachweis

Als Nachweis benutzt man die Runge'sche Chlorkalkreaktion. Diese zeigt schon bei Spuren freien Anilins (nicht der Salze) beim Versetzen mit Chlorkalklösung durch eine rotviolette Färbung Anilin an.

Explosionsgrenzen in Luft

1,3 bis 11 Vol.-%

pKa- Wert

4,63

Effekte

Ähnlich wie die OH- Gruppe in den Phenolen löst auch die Aminogruppe am Benzenkern einen +M- Effekt aus, indem sich das einsame Elektronenpaar des N- Atoms an der Mesomerie des aromatischen Bindungssystems beteiligt.

IR- Spektrum
Undestilliert
aus Vorratsflasche

Spektrum von Anilin, undestilliert, aus Vorratsflasche

Vorkommen

Unter anderem kommt es bei der technischen Aufarbeitung des Steinkohlenteers in der ersten Frankion der Rektifikation (Leichtöl, 80 bis 170°C) vor.

Darstellung

Anilin wurde erstmalig durch Reduktion von Nitrobenzol mit Zinn und Salzsäure erhalten (Zinin, 1841). Auf diesem Verfahren basiert noch heute die technische Anilingewinnung. Hierbei wird Nitrobenzol mit Eisen und Wasser in Gegenwart von 1/40 der berechneten Menge Salzsäure zu Anilin reduziert. Der zur Reduktion benötigte Wasserstoff stammt größtenteils aus dem Wasser; das Eisen geht in Fe3O4 über.

Im Labor führt man die Reduktion noch heute mit Zinn und Salzsäure durch.

In neuerer Zeit hat die drucklose katalytische Hydrierung von Nitrobenzol in der Gasphase am Kupfer- Kontakt die Eisenreduktion teilweise verdrängt.

Es ist nicht möglich, die NH2- Gruppe direkt einzuführen. Diese Gruppe ist als Reaktionsgruppe nicht herzustellen. NO2 kann man einer Mischung von H2SO4 und HNO3 herstellen, NH2 müsste aus dem Ammoniak oder der Ammoniaklösung gewonnen werden. Es ist also nicht möglich. Man kann nur NH4+ herstellen, dieses Ion ist aber zu schwach, den Benzenring zu "knacken". Auch das Kochen mit Ammoniak führt zu keinem Ergebnis.

Das Einführen der NO2- Gruppe ist eine SE- Reaktion (elekrtophile Substitution), da NO2 positiv geladen ist. Die NO2- Gruppe kann man dann problemlos Reduzieren.

Weiterführende Reaktionen

Typisch wird das Anilin zur Herstellung von Azo- Verbindungen eingesetzt.

Ich setze das Anilin zur Herstellung von Polyanilin durch oxidative Polymerisation ein. Mehr Informationen finden Sie in der Rubrik "Doktorarbeit".

Geschichtlich

Nach RÖMPP (RÖMPP Chemie Lexikon, 9. Auflage, S.190f, Georg Thieme Verlag Stuttgart - New York) wurde Anilin 1826 von Herrn Unverdorben bei der Kalkdestillation des Indigo entdeckt und als "Kristallin" bezeichnet.

1843 erkannte A. W. Hofmann, daß dieser Stoff identisch war mit dem "Kyanol", das Runges 1834 entdeckt hatte, dem "Anilin", das Fitsches 1841 entdeckt hatte und dem "Benzidam", das Zinins 1841 entdeckt hatte.

Die Bezeichnung von Fritsches, "Anilin", hat sich später durchgesetzt und geht auf "Anil", das portugisische Wort für Indigo zurück. Geschichtlich passte dies am Besten, da Fritsche das Anilin durch Erhitzen von Indigo und Kalilauge erhielt.